Interview Natasja en Heca-Pac

Neues Gesetz in Frankreich für nachhaltige Verpackungen

Ein offenes Interview mit Julien Ferte, Direktor von Hexa-Pac

Seit dem 1. Januar 2022 ist in Frankreich ein neues Gesetz „contre le gaspillage“ (gegen Abfall) in Kraft. Geschäfte dürfen Obst und Gemüse bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr in Plastikverpackungen verkaufen. JASA sprach mit Julien Ferte, Direktor von Hexa-Pac.

Hexa-Pac wurde 1993 von vier Freunden gegründet und hat sich heute zu einem führenden Unternehmen in der Verpackungsindustrie entwickelt. Julien: „Ich bin Inhaber des Unternehmens und kümmere mich hauptsächlich um die Führung der Mitarbeiter und den Kontakt zu den Kunden.“

„Wir bei Hexa-Pac möchten die besten Verpackungslösungen und -maschinen anbieten. Vom Anfang bis zum Ende einer Verpackungslinie – wir schauen auf die Bedürfnisse des Kunden und bieten die entsprechende technische Lösung an.“

Interview Natasja en Heca-Pac

Die besten aus der Branche

JASA Packaging Solutions pflegt seit fast 30 Jahren eine gute Zusammenarbeit mit Hexa-Pac. Julien bevorzugt intensivere und lange Kooperationen mit seinen Partnern.

„Wir arbeiten bei jedem Maschinentyp mit einem Partner. So arbeiten wir bei den Verpackungslösungen mit JASA, beim Wiegen mit NEWTEC und beim Clippen mit der Firma C-Pack. Wir wollen nur mit den Besten der Branche zusammenarbeiten und mit Partnern, auf die wir uns zu 100 % verlassen können.“

Der Kundenstamm von Hexa-Pac ist sehr vielfältig. „Unsere Kunden reichen von kleinen Unternehmern bis hin zu echten Gigakonzernen. Etwa 80-95 % unserer Kunden arbeiten mit Obst und Gemüse, der Rest ist in der Industrie.“

Neues französisches Gesetz für nachhaltige Verpackungsmaterialien

In Frankreich wurde am 11. Oktober 2021 das Gesetz “contre le gaspillage” (gegen Abfall) und zugunsten der Kreislaufwirtschaft unterzeichnet. Dieses Gesetz geht weiter als die Maßnahmen, die die europäische SUP-Richtlinie (Strategische Umweltprüfung) den Mitgliedstaaten vorschreibt. Mit dieser Maßnahme will Frankreich jährlich mehr als eine Milliarde unnötige Plastikverpackungen vermeiden.

„Frankreich will viel weniger Plastik verarbeiten. Es heißt, Plastik sei schlechter als andere Verpackungsmaterialien. Ich sehe das anders. Recycelbarer Kunststoff kann weniger umweltbelastend sein als andere Materialien, je nachdem wie er zum Beispiel vom Verbraucher entsorgt wird. Wenn Plastik richtig entsorgt und recycelt wird, ist es kein umweltbelastendes Material.“

Ist Papiermaterial gut für die Umwelt?

Als Argument für Papiermaterial nennen viele die Plastikverschmutzung der Meere. „Die Menschen haben Angst vor den Bildern, von Plastik das im Meer schwimmt und vor Fischen mit Plastikstücken im Magen. Daher wollen sie nur noch Papier.“

Papierverpackungen sind daher als umweltfreundliche Verpackungen bekannt, aber Julien blickt über die Plastikverschmutzung der Meere hinaus.

„Woran die Leute nicht denken und wovon sie keine Bilder sehen, ist das wir Bäume für diese Papiermaterialien brauchen. Diese Bäume kommen nicht aus Frankreich, sondern aus Osteuropa oder noch weiter weg über dem Seeweg zu uns.“ 

„Also fahren Lastwagen und Schiffe zwischen verschiedenen Ländern hin und her, um Bäume zu transportieren. Schauen Sie sich die Emissionen dieser Transportwege an. Wir sollten die Auswirkungen auf die Umwelt nicht unterschätzen.“

Begrenzte Übergangszeit

Das neue Gesetz kommt für viele überraschend und die Übergangsfrist von wenigen Monaten ist sehr kurz. Bis zum 1. Juli soll alles fertig sein.

„Man wechselt nicht einfach so von Plastik- auf Papierverpackungen. Schließlich will man nicht nur die beste Verpackung erreichen, sondern auch die beste Kombination aus Produkt, Verpackung und Verpackungsmaterial.“

„Nehmen Sie zum Beispiel Karotten, die relativ nass verpackt werden. Das ist mit Papierverpackungen nicht möglich. Vielleicht lässt sich eine Lösung finden, aber das wird dauern und die Zeit werden wir nicht bekommen.“

Dies sind herausfordernde Zeiten für die Kunden von Hexa-Pac. „Einige Kunden haben hunderttausende Euros in eine Verpackungsmaschine investiert um zum Beispiel eine Verpackung mit Folie zu wenden. Jetzt müssen sie plötzlich Papiermaterial verwenden, für das die Maschine nicht gemacht ist. Dann steht der Kunde plötzlich vor einer teuren Maschine, die er nicht mehr nutzen kann.“

Praktische Herausforderungen

Unternehmen stoßen auf alle möglichen praktischen Herausforderungen. Viele haben zum Beispiel nicht genug Platz in ihrem Unternehmen, um neue zusätzliche Maschinen zu platzieren.

„Und es gibt noch viele weitere Stolpersteine auf diesem Weg. Wir haben zum Beispiel eine Maschine mit einer bestimmten Papiersorte getestet und an einen Kunden verkauft. Während der Bauzeit der Maschine hat der Papierlieferant dieses Materials noch einmal wesentlichen Anpassungen unterworfen. Es dauert daher nochmal eine Zeit die Maschine auf die neuen Gegebenheiten eizustellen. Das sind Herausforderungen denen wir uns stellen müssen, wenn die Zusammensetzung des Papiers plötzlich von einem Lieferanten angepasst wird.“

Papierproblem

Es erweist sich gerade ohnehin als schwierig, an die richtigen Papiermaterialien zu kommen.

„Auch Papierlieferanten müssen sich plötzlich mit diesem Gesetz auseinandersetzen und haben wie wir zu wenig Zeit sich auf die Vorgaben einzurichten. Oft können uns auch vorab keine Testmaterialien geliefert werden. Auch die müssen erst entwickelt werden.“

Kunden und Lieferanten stehen der Umstellung auf umweltfreundliche Verpackungsmaterialien sicherlich nicht abweisend gegenüber. Sie versuchen nur der Politik mitzuteilen, dass sie mehr Zeit brauchen, um den Wechsel vorzunehmen.

„Wir brauchen einfach mehr Zeit. Wir haben die neuen Papiermaterialien noch nicht mal testen können und die Supermärkte fragen schon nach den nachhaltigen Verpackungen.“

Interview Hexapac 3

Der Endkunde hat andere Wünsche

Hier nimmt die Geschichte eine interessante Wendung.

„Regierung und Supermärkte wollen mit nachhaltigen Verpackungsmaterialien arbeiten, aber Endkunden kaufen diese Produkte nicht in nachhaltiger Verpackung. Ganz einfach, weil der Kunde das Produkt durch eine Papierverpackung nicht sehen. Das ist in Frankreich ein großes Problem: Wenn man das Produkt nicht in der Verpackung sieht, kauft der Endkunde es nicht.“

Die Lösung muss daher in dreifacher Hinsicht gefunden werden. „Wir müssen uns eine Verpackungslösung anschauen, die unser Kunde auch kaufen möchten. Eine Verpackung bei der die Produkte sichtbar sind und  mit plastikfreiem Verpackungsmaterial verpackt sind wie es der Gesetzgeber vorschreibt.“

Holzrecourcen und Nachhaltigkeit

Eines der im Gesetz erwähnten Elemente ist, dass Verpackungen zu 95 % aus Papier bestehen müssen. Damit wird bereits kreativ umgegangen.

„Einige Hersteller fügen ihren Verpackungen jetzt zusätzliches Papier hinzu, um diese 95 % zu erreichen. Es ist natürlich nicht Sinn der Sache, dass mehr Holz verschwendet wird, nur um diesen Prozentsatz erreichen zu können.“

Der Aktionsplan von Hexa-Pac

Die Supermärkte fordern nachhaltige Verpackungen, also legt Julien sich ins Zeug.

„Wir wollen die richtigen Lieferanten für die Papierverarbeitung finden. Das ist die größte Herausforderung. Wir wollen effiziente Maschinen liefern, die auch superschnell mit Papier verpacken können, damit unsere Kunden zufrieden sind.“

Hier kommt JASA ins Spiel.

JASA hybrid

Service, Service, Service

Obwohl das neue Gesetz den notwendigen Einfluss auf Hexa-Pac hat, liegt Juliens Fokus nicht darauf.

„Ich konzentriere mich hauptsächlich auf den Service, den wir unseren Kunden bieten wollen. Dass wir die Lösungen anbieten können, die ihren Bedürfnissen entsprechen, und dass wir, wenn ein Kunde Hilfe benötigt, innerhalb weniger Stunden helfen können.“

Julien schaut daher nicht nur auf die Lösungen, sondern vor allem auf die Kunden. „Natürlich ist die Maschine wichtig, aber noch wichtiger sind die Menschen, an die wir diese Maschine liefern.“

Erneuern, verbessern, optimieren

„Es ist gut und im Interesse aller, dass wir uns in der Verpackungsindustrie auch im Bereich Nachhaltigkeit weiter verbessern. Das bringt Herausforderungen und Risiken mit sich, aber das gehört auch zum Beruf.“

Julien wird sich daher in der kommenden Zeit hauptsächlich um Innovationen und Verbesserungen kümmern. Optimierung seiner Geschäftsstrukturen, Bereitstellung eines perfekten Service und schneller, nachhaltiger Verpackungslösungen für seine Kunden.

„Das wird eine interessante Herausforderung.“

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